Deutsche Segelflug-Meisterschaft - Aalen 2009
Die Deutschen Segelflugmeister stehen fest PDF Drucken E-Mail

Feierlicher Abschluss der Deutschen Segelflugmeisterschaften in Elchingen

Neun Wertungstage bei einer Deutschen Segelflugmeisterschaft, hier setzte die Deutsche Segelflugmeisterschaft 2009 auf dem Flugplatz Aalen-Heidenheim-Elchingen Maßstäbe. Bis zu 500 Kilometer legten die 98 Piloten zurück. Die Meisterschaften fanden unter besten meteorologischen Bedingungen statt, von 11 möglichen Wertungstagen mussten nur zwei wegen schlechten Wetters neutralisiert werden. Dabei wurden Strecken zwischen 250 und 500 Kilometer geflogen. Insgesamt haben die Piloten dabei eine Strecke von 265.000 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht über 6 mal um die Erde. Es wurden Durchschnittsgeschwindigkeiten von rund 120 km/h erreicht. Man bedenke – mit einem Segelflugzeug und nur mit Sonnenenergie.

Mit einem Festakt wurden am Samstag in Elchingen die Sieger der Deutschen Segelflugmeisterschaft gekürt. Ausnahmsweise gab es bei der Siegerehrung etwas über dem Härtsfeld, was es während der Meisterschaft nicht gab: Regen und tiefhängende Wolken. An neun von elf möglichen Wertungstagen konnte geflogen werden, das ist rekordverdächtig. Und zudem wurde für Höchstspannung bis zum letzten Wertungstag gesorgt. Selten gab es bei einer nationalen Meisterschaft bis zum Schluss so enge Punkteabstände. Theoretisch hätte in der Rennklasse vor dem Freitag, dem neunten und letzten Wertungstag, noch der siebte Meister werden können.
Entsprechend groß war die Spannung und das öffentliche Interesse. Besonders die Medien überschlugen sich zum Schluss in der Berichterstattung. Das von Luftsportring-Aalen-Mitglied Udo Wekemann speziell für diese Meisterschaft eingerichtete „Tracking System“ hatte zudem erstmalig für ein vollkommen neue Medienpräsenz gesorgt.

Die Piloten lieferten sich an jedem Tag harte aber faire Duelle. „Das wichtigste für uns war, dass es nur ‚Happy Landings‘ gab und eine Meisterschaft mit würdigen Siegern“, so Wettbewerbsleiter Alfred Rainer. In der Summe aller Flüge waren die Piloten oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Was dazu führte, dass die Meisterschaft in Elchingen in der Rennklasse (15m) mit einem Kuriosum endete. Zum ersten Mal bei Deutschen Segelflugmeisterschaften gibt zwei Deutsche Meister in einer Klasse. Dazu noch Brüder: Georg und Martin Theisinger aus Landau in der Pfalz, beide punktgleich mit 6950 Punkten. Georg Theisinger hat noch einen weiteren Rekord, dreimal in Folge Deutscher Meister. Dritter ist Thomas Wettemann aus Wolfegg bei Ravensburg, der in Kirchheim/Teck fliegt. Selten war der Ausgang einer Meisterschaft so spannend wie in dieser Klasse.

Mario Kießling von der Fliegergruppe Wolf Hirth aus Kirchheim Teck hat sich bei den Deutschen Segelflugmeisterschaften auf dem Flugplatz Aalen-Elchingen den Titel in der Standard-Klasse erflogen. Er siegte mit 7696 Punkten vor Martin Schönwandt aus Mannheim mit 7518 Punkten. Dritter wurde Gerd Peter Lauer aus dem Bayerischen Lichtenfells. Amtierender Weltmeister Michael Buchthal aus Freudenstadt wurde fünfter, ist aber automatisch zur nächsten WM qualifiziert. Gaby Haberkern wurde 16. und Freddy Hein aus Schwäbisch Gmünd 18., Lokalmatador Manfred Streicher vom LSR-Aalen wurde 20.

In der Doppelsitzerklasse siegte Christof Geißler aus Freudenstadt mit dem Prototypen des neuen „Supervogel“ ARCUS von Schempp-Hirth. Er und sein Co-Pilot Christoph Wannenmacher sicherten sich 7222 Punkte. Zweiter wurde der Routinier und mit über 70 Jahren älteste Teilnehmer der Meisterschaft Dr. Siegfried Baumgartl aus Dienslaken mit 6751 Punkten. Dritter wurde ein weiterer Freudenstätter, Martin Haug mit 6650 Punkten.

vlnr: Georg Theisinger, Martin Theisinger, Christoph Wannenmacher (Copilot), Christof Geißler, Mario Kießling


Die Piloten zollten auch dem Luftsportring als ausrichtendem Verein höchstes Lob und quittierten die Leistung des LSR mit stehenden Ovationen und Zugabe-Applaus. Der Verein habe perfekte Arbeit geleistet und sich für höhere Aufgaben angeboten. Sprecher des Deutschen Aeroclubs und der Nationalmannschaftspiloten würden eine Europameisterschaft auf dem Härtsfeld sehr begrüßen. Der Flugplatz Elchingen ist ein idealer Austragungsort für große Segelflugmeisterschaften. Der anwesende Aalener Oberbürgermeister Martin Gerlach war ob solcher Lobeshymnen sichtlich angetan. „Der Luftsportring und sein Flugplatz Elchingen haben die Größe für solche Events!“ Schon als Kind war er häufig vorort mit seinen Eltern um „Flugzeugle zu gucken“.

In Aalen wurde auch die neue Nationalmannschaft formiert. Die ersten beiden jeder Klasse sind als Teilnehmer zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Ungarn qualifiziert. Die Plätze drei und vier berechtigen zum Start bei der Europameisterschaft.

 
Ein Tag zwischen Vollgas und Absaufen PDF Drucken E-Mail

Es war der 5. Wertungstag in Folge. Auch wenn es morgens immer grau, trüb und wolkig aussieht, ein wenig wie im Herbst; spätestens um die Mittagszeit herrscht in Elchingen gutes Flugwetter. Entsprechende heute auch wieder die Aufgaben. 399,3 Kilometer in der Standardklasse, 435,1 Kilometer in der Rennklasse und eine SAA (291,2 bis 675,7Km mit Tmin=03:30) bei den Doppelsitzern. Um kurz nach 12 Uhr war der erste Start. Die Aufgaben aber sicherlich nicht einfach, so die ersten Kommentare.

Die ersten Landemeldungen kamen bereits gegen 15:30. Bis 16:30 war noch kein Teilnehmer regulär wieder am Platz.
Allen in Elchingen war klar, in allen drei Klassen verlangte dieser Tag Alles von den Piloten.

In der 15m-Klasse gab es wieder einen tollen Wertungstag – Spannung pur, kann man da nur sagen. Geflogen wurde in allen 3 Klassen erst mal Richtung Südwesten Sigmaringen und Leibertingen. Gleich die erste Wende an der Donau bzw. südlich dem oberen Donautal war für einige schwierig. Je nach Zeitpunkt war es besser oder schlechter.
Dann wieder zurück über die ganze schwäbische Alb. Normalerweise eine richtige „Rennstrecke“. Nur mitten auf der Alb, zwischen Laichingen und Gerstetten war plötzlich der Wurm drinnen. Ausbreitungen, Überentwicklung, Schauer, aber auch auflösende Wolken. Pulsierendes Wetter. Charlie Bauder sah sich ganz plötzlich im Keller, aus zweihundert Meter Höhe musste er sich wieder „hinaufpaddeln“.
Von Treuchtlingen (Std.), Dollnstein und Denkendorf(südl. von Beilngries) dann wieder Richtung Nordwesten nach  Burgbernheim bei Rothenburg ob der Tauber (15m+ Dosi) und  Feuchtwangen am Autobahnkreuz und Burgbernheim.
Gegen den Wind und in der nachlassenden Thermik sichlich auch kein leichter Schenkel. Der Rückweg nach Elchingen Richtung Süden mit dem Rückenwind war dann einfacher.
Kurz vor 17:30 erreichten dann die ersten Flugzeuge (XL, LL und GH) der Doppelsitzer-Klasse mit Wertung Elchingen.

Die bis Favoriten in der Rennklasse Martin und Georg Theisinger waren die ersten Piloten dieser Klasse in Elchingen. Auch Charlie Bauder erreichte sehr früh den Platz.
Auch der erneut stark fliegende TOM Krauss erreichten Elchingen nach einem starken Flug. Um 18:30 fehlte noch die Hälfte der Teilnehmer.
Kurz vor 19:00 Uhr, fast  zum Thermikende waren dann endlich die „Bauder- Jungs“ zu hören. Es sollte aber 10 Minuten später noch ein ganzer Schwung aus Standard- und Rennklasse kommen. Darunter auch Mario Kießling und Michael Buchthal. Die Thermik machte Überstunden.  
Trotzdem, rund 20 Flugzeuge kamen nach nicht Elchingen zurück. Erneut waren wieder über 150 Zuschauer auf der Besucherterrasse.

 
Schwarz und Schwarzer, die Chefs am Start PDF Drucken E-Mail

98 Segelflugzeuge in möglichst kurzer Zeit in die Luft zu bringen, das sieht sehr einfach aus, ist aber eine Meisterleistung. Fliegerisch, logistisch und vor allem organisatorisch. Peter Schwarz aus Kirchheim am Ries ist der Organisator der Schlepppiloten. Günther Schwarzer aus Aalen-Ebnat ist der Startleiter.

Für die  Zuschauer auf dem Flugplatz  Aalen-Heidenheim-Elchingen ein normales Bild: Segelflugzeuge werden von Motorflugzeugen in die Luft geschleppt.
Doch relativ schnell stellt auch der unerfahrene Beobachter fest, dass die Taktzahl mit der die Flugzeuge starten ungewöhnlich hoch ist. In 10 Schleppflugzeugen vom Typ DR-400 „Jodel“ verrichten die Schlepppiloten Schwerstarbeit. In rund 80 Minuten sind alle 98 Segelflugzeuge der Deutschen Segelflugmeisterschaften am Himmel.


Während der Startphase ist der Flugplatz Aalen-Heidenheim-Elchingen „PPR“. Das bedeutet, dass auf dem Flugplatz außer dem Schleppen der Meisterschaftsteilnehmer kein normaler Flugbetrieb stattfinden darf. Anfliegende fremde Flugzeuge dürfen nur in wichtigen, begründeten Fällen landen.
Doch schon im Vorfeld der Meisterschaft war Peter Schwarz am Werk. Der Luftsportring Aalen hat nur 2 „Jodels“ zum Schleppen. Damit ein reibungsloser und homogener Ablauf der Schlepp-Prozedur gewährleistet ist, benötigen die LSR- Organisatoren aber mindestens 10 Flugzeuge.


Deshalb ist Peter Schwarz, der als Fluglehrer auch gute Kontakte zu den Vereinen in der „Nachbarschaft“ von Elchingen hat, „hausieren“ gegangen.
Es war gar nicht leicht, so viele Flugzeuge des gleichen Typs zu finden. Das weiteste ist aus Braunschweig eingeflogen. Die Nachbarvereine aus Gerstetten, Giengen/ Brenz, Ellwangen und Bartholomä gehören inzwischen sowieso bei Wettbewerben partnerschaftlich fest dazu.

Unterschiedliche Flugzeugtypen einzusetzen ist nicht von Vorteil, da Überholmanöver in der Luft bei solchen komplexen Abläufen nicht gut sind. Im schlimmsten Fall müsste ein Flugzeug abdrehen und eine Warteschleife drehen, sollte ein langsameres Flugzeug vor ihm landen. Dadurch käme der ganze Schleppvorgang aus dem Rhythmus. Schwarz koordiniert auch die genaue Schlepp-Route, damit sich die Lärmbelästigung im Rahmen hält. Die Organisatoren vom LSR-Aalen haben besonderen Wert darauf gelegt, dass alle Schleppflugzeuge erhöhte Lärmschutzauflagen erfüllen. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu unseren Nachbarn, die sind uns das unbedingt wert!“ so LSR-Vorstand Wolf Becker.


Die Schleppgeschwindigkeit beträgt rund 130 km/h. Geschleppt werden die Segelflugzeuge auf 600 Meter. Dann wackelt der Pilot im Motorflugzeug mit den Tragflächen. Für den Teilnehmer im Segelflugzeug ist dies das Zeichen zum Ausklinken. Sobald das Segelflugzeug vom Seil weg ist, drosselt der Schlepppilot das Gas und beginnt mit dem Sinkflug. Kurz vor dem Aufsetzen, am Anfang der Landebahn, wirft er das Seil ab. Die „Jodel“ setzt mit ca. 120 km/h auf der Asphaltbahn auf.   
„Dieser Flugzeugtyp ist ideal geeignet für den Flugzeugschlepp!“ so Schwarz. Der französische 4-Sitzer ist ein echter „Allrounder“ und das Vereinsflugzeug schlechthin. Da die Maschine, übrigens fast ausschließlich aus Holz gefertigt, sehr leicht ist und einen starken Motor (180 PS) besitzt, sind Segelflugzeugführer von diesem  Flieger seit 30 Jahren richtig begeistert.
Bevor es losgeht, führt Peter Schwarz ein ausführliches Piloten- und Sicherheitsbriefing durch. Für den technischen Zustand der Flugzeuge sind die Piloten selbst verantwortlich.

Da die Segelflugzeuge bei Meisterschaften immer mit Wasserballast fliegen, ist besonders die  Anroll- und Abhebephase sehr schwierig. Natürlich kommen nur die erfahrensten Piloten zum Einsatz. Gestartet wird, wie üblich, gegen den Wind. Landen müssen die Schlepp-Piloten meist gegen die Startrichtung, dann auch mit Rückenwind. Das ist notwendig, damit das zeitintensive Zurückrollen auf dem Rollweg entfällt. Peter Schwarz ist während der ganzen Zeit am Start und über Funk mit den Schlepppiloten in Kontakt.Für die Segelflugzeuge am Start ist Günter Schwarzer der zuständige Startleiter. Er organisiert alle 98 Segelflugzeuge am Boden.

Er legt die Start-Reihenfolge fest, ordnet die Schleppflugzeuge den Segelflugzeugen zu und gibt den Start frei. Die schweren Doppelsitzer kommen immer als letzte Klasse dran. Ihnen steht dann die längste Startstrecke zur Verfügung. mmerhin ist das gesamte Starterfeld fast 200 Meter lang.
So dreht sich ein Rad in das andere. Ohne Schwarzers Anweisungen darf kein Schlepppilot Vollgas geben, kein Schleppzug starten.

 
In Aalen Elchingen sind 98 Flugzeuge in drei Klassen am Start PDF Drucken E-Mail

Aktuelle, teilweise minütliche Informationen gibt es im Liveticker, der sich automatisch aktualisiert. Seit dem 30.5. gibt es auch ein Livevideo.

 

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